“Hermann Hesse und China : Darstellung, Materialien und Interpretation” (Publication, 1974)

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Jahr

1974

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Publication

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Hsia, Adrian. Hermann Hesse und China : Darstellung, Materialien und Interpretation. (Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1974). [2nd enl. ed. (1981) ; 3rd ed., with an add. chapter (2002)]. (Hes2)

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Themengebiete (4)

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  • Literatur › Westen › Deutschland › Prosa
  • Sinologie und Asienkunde › China
  • Sinologie und Asienkunde › Kanada

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Jahr Text Verknüpfte Daten
1902-1962
Bücher in Beziehung zu China der Privat-Bibliothek von Hermann Hesse in den Hermann-Hesse-Archiven der Nationalbibliothek Bern und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach.Bethge, Hans. Die chinesische…
Bücher in Beziehung zu China der Privat-Bibliothek von Hermann Hesse in den Hermann-Hesse-Archiven der Nationalbibliothek Bern und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Bethge, Hans. Die chinesische Flöte [ID D11977].
Brandt, Max von. Die chinesische Philosophie und der Staats-Confucianismus [ID D6294].
Chang, Wu. 105 interessante chinesische Erzählungen [ID D14745].
Chinesisch-deutscher Almanach (1926-1931) [ID D3214].
Chinesische Abende. Übertr. von Leo Greiner [ID D11983].
Chinesische Gedichte. Versuchte Eindeutschung von O.E.H. Becker. MS 1942.
Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhundert v. Chr. bis zur Gegenwart. Übers. von Hans Heilmann [ID D11976].
Chinesische Meisternovellen. Übertr. von Franz Kuhn (1952) [ID D1011].
Chinesische Novellen. Übertr. von H. Rudelsberger [ID D11981].
Chinesische Novellen. Deutsch von Paul Kühnel [ID D11982].
Chinesische Volksmärchen. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1585].
Chung-jung. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1599].
Danz, Walter. China [ID D15093].
Djin-gu tji-guan. Übers. Walter Strzoda [ID D15094].
Do-Dinh, Pierre. Konfuzius in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. [ID D14744].
Dschuang Dsi. Übers. von Richard Wilhelm [ID D4447].
Dschung Kue : oder die Bezwinger der Teufel [ID D14741].
Dumoulin, H. Zen : Geschichte und Gestalt [ID D14743].
Ewald, Oskar. Laotse [ID D14746].
Frühling und Herbst des Lü Bu We. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1594].
Das Geheimnis der goldenen Blüte [ID D1597].
Die goldene Truhe [ID D4122].
Graefe, Hugo. Situations-Erkenntnis nach I ging. MS o.J.
Greiner, Leo. Chinesische Abende. [ID D11983].
Guan, Hsiu. Die 16 Lohans [ID D14760].
Herbstlich helles Leuchten überm See. Übertr. von Günther Debon [ID D504].
Hesse, Johannes. Lao Tsze : ein vorchristlicher Wahrheitszeuge [ID D11980].
Hiau ging : das Buch der Ehrfucht. Übers. von Richard Wilhelm [ID D14754].
Hsüeh-tou. Bi-yän-lu [ID D835].
I ging. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1589].
Im Tau der Orchideen und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Deutsch von Conrad Haussmann [ID D13388].
Ju-kiao-li. Deutsche Bearb. von Emma Wuttke-Biller [ID D15095].
Kin ku ki kwan. Übers. von Franz Kuhn [ID D1022].
Klabund. Li-tai-pe : Nachdichtungen [ID D2998].
Krieg, Claus W. Chinesische Mythen und Legenden [ID D15097].
Kungfutse. Lun yü. Verdeutscht von Richard Wilhelm [ID D1581].
Kungfutse. Schulgespräche. Übers. von Richard Wilhelm ; hrsg. von Hellmut Wilhelm [ID D4443].
Lao tse. Hrsg. von Lin Yutang [ID D14758].
Lao, Tse. Die Bahn und der rechte Weg des Lao Tse. Übers. von Alexander Ular [ID D11974].
Lao Tse. Das Buch von Tao und Te. Übers. von Eberhard Cold. [Manuskript]. [ID D14752].
Lao Tse. Sprüche. Übers. von Klabund [ID D11984].
Lao Tse. Tao te king : das Buch vom Weltgrund und der Weltweise. Übers. von Haymo Kremsmayer [ID D5008].
Lao Tse. Tao te king. Übers. von Richard Wilhelm [ID D4445].
Laotse. Tao teh king : vom Geist und seiner Tugend. Übers. von Hertha Federmann [ID D14756].
Lao Tsze. Buch vom höchsten Wesen und vom höchsten Gut. Übers. von Julius Grill [ID D11979].
Lau Dse : das Eine als Weltgesetz und Vorbild. Übers. von Vincenz Hundhausen [ID D7637].
Li gi. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1599].
Li-tai-pe. Drei chinesische Gedichte. (Berlin : Höhere Graphische Fachschule, 1936-1937). 4 gez. Bl.
Li-tai-po. Gedichte. Übers. von Otto Hauser [ID D4640].
Liä Dsi. Übers. von Richard Wilhelm [ID D4446].
Lin, Yutang. Mein Land und mein Volk [ID D13801].
Lin, Yutang. Weisheit des lächelnden Lebnes [ID D14759].
Ling, Tsiu-sen. Ein Körnchen Wahrheit [ID D14757].
Lyrik des Ostens. Hrsg. von Wilhelm Gundert [ID D4186].
Mao, Tse-tung. Gedichte. Deutsche Nachdichtung von Rolf Schneider. (Berlin : Volk und Welt, 1958).
Mong Dsi. Verdeutscht von Richard Wilhelm [ID D4445].
Der Ochs und sein Hirte : eine altchinesische Zen-Geschichte [ID D14762].
P'u, Sung-ling. Chinesische Geister- und Liebesgeschichten [ID D3083].
Pu-ssung-ling. Chinesische Novellen [ID D13174].
P’u, Sung-ling. Die Füchsin und die tote Geliebte [ID D14753].
P'u, Sung-ling. Höllenrichter Lu [ID D13668].
Schi-king. Dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert [ID D4634].
Schi-king. Nach Friedrich Rückert von Albert Ehrenstein [ID D12457].
Schi, Nai Ngan. Wie Lo-ta unter die Rebellen kam [ID D12206].
Seltsame Hochzeitsfahrt. Übertr. von Anna von Rottauscher [ID D4986].
Sheng, Cheng. Meine Mutter [ID D13131].
Strasser, Charlot. Über chinesische und japanische Lyrik [ID D15098].
Streiter, Artur. Wanderungen im Lande des Chinesen Dschuang Dsi [ID D15099].
Tang, Hsiän Dsu. Die Rückkehr der Seele. In deutscher Sprache von Vincenz Hundhausen [ID D7646].
Tang, Hsiän Dsu. Vor dem Selbstbildnis eines schönen Mädchens. In deutscher Sprache von Vincenz Hundhausen. [S.l., s.n.].
Tau, Yüan-ming. Ausgewählte Gedichte in deutscher Nachdichtung von Vincenz Hundhausen [ID D7649].
Das tibetanische Totenbuch [ID D14734].
Tscharner, Eduard Horst von. Chinesischer Kulturgeist : Vortrag. Aus : Der kleine Bund ; 20 (1939).
Tschuang-tse. Reden und Gleichnisse. Deutsche Ausw. von Martin Buber [ID D11976].
Tu, Fu. Die grossen Klagen [ID D15100].
Valn, Nora. Süsse Frucht, bittre Frucht China [ID D3326].
Wang, She-fu. Das Westzimmer. In deutscher Sprache von Vincenz Hundhausen [ID D5118].
Wilhelm, Richard. Chinesische Lebensweisheiten (1950) [ID D1588].
Wilhelm, Richard. Der Mensch und das Sein [ID D14761].
Wilhelm, Richard. Ostasien [ID D4679].
Wilhelm, Salome. Richard Wilhelm [ID D14008].
Wu, Ch'eng-en. Der rebellische Affe [ID D8874].
Zenker, E.V. Geschichte der chinesischen Philosophie. Bd. 1 [ID D4896].
1903
Erste Begegnung von Hermann Hesse mit China. Er liest Die Bahn und der rechte Weg des Lao-tse von Alexander Ular [ID D11974]. 1907 schreibt er in der Rezension : Aus China hat der [Insel]-Verlag eine…
Erste Begegnung von Hermann Hesse mit China. Er liest Die Bahn und der rechte Weg des Lao-tse von Alexander Ular [ID D11974]. 1907 schreibt er in der Rezension : Aus China hat der [Insel]-Verlag eine schöne Übersetzung der Sprüche des Lao Tse [Laozi] gebracht.
Durch seinen Vater ist Hesse schon in seiner Kindheit in Kontakt mit der indischen und chinesischen Kultur gekommen. Er schreibt später : Viele Welten kreuzen ihre Strahlen in diesem Hause. Hier wurde gebetet und in der Bibel gelesen, hier wurde studiert und indische Philosophie getrieben, hier wurde gute Musik gemacht, hier wusste man von Buddha und Laotse [Laozi].
1905
In der Bibliothek von Hermann Hesse befindet sich das Buch : Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhunder v. Chr. bis zur Gegenwart. [ID D11976]. Darin hat Hesse alle Gedichte, die ihm gefallen haben, im…
In der Bibliothek von Hermann Hesse befindet sich das Buch : Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhunder v. Chr. bis zur Gegenwart. [ID D11976]. Darin hat Hesse alle Gedichte, die ihm gefallen haben, im Inhaltsverzeichnis angestrichen. Es betrifft vor allen Li Bo und Du Fu.
1907
Hermann Hesse schreibt über Bethge, Hans. Die chinesische Flöte [ID D11977], seine erste Rezension zu einem Buch das China betrifft : Ein erstaunliches Buch ! Oft ahnt man zwar betrübt das Köstliche,…
Hermann Hesse schreibt über Bethge, Hans. Die chinesische Flöte [ID D11977], seine erste Rezension zu einem Buch das China betrifft : Ein erstaunliches Buch ! Oft ahnt man zwar betrübt das Köstliche, was auf dem weiten Umweg von den Originalen bis in diese deutschen Nachbildungen verloren gehen musste, aber einstweilen und für lange Zeit ist eine getreuere Wiedergabe wohl unmöglich. Den Gipfel bildet Li Tai Po [Li Bo], der schwermütige Zecher und Liebende, mit seinen Versen, dessen Aussenseite lockend glänzt und die innen voll trostloser Trauer sind. Zwischen dem fremdländischen Schmuck der Lotosblumen dringen uns immer wieder Gefühle entgegen, die mit unbeschränkter Menschlichkeit uns an die Griechen, die alten Italiener, die Minnesänger erinnern.
1910
Hermann Hesse liest die Übersetzung Gespräche des Kung-futse von Richard Wilhelm [Lun yu] [ID D1581], Reden und Gleichnisse des Tschuang-tse von Martin Buber [ID D11978] und Lao-tszes Buch vom…
Hermann Hesse liest die Übersetzung Gespräche des Kung-futse von Richard Wilhelm [Lun yu] [ID D1581], Reden und Gleichnisse des Tschuang-tse von Martin Buber [ID D11978] und Lao-tszes Buch vom höchsten Wesen und vom höchsten Gut (Tao-te-kin) von Julius Grill. [ID D11979].

Adrian Hsia : Durch diese beiden Bücher [Wilhelm und Grill] erhält Hesse eine systematische Einführung in den Taoismus…. Die beiden Übersetzungen zeigen zwei verschiedene Ausgangspunkte und Interpretationsmöglichkeiten der Übersetzer. Grill geht von einer christlich-theologischen und Wilhelm von einer metaphysisch-ontologischen Betrachtungsweise aus. Hesse schätzte beide Übersetzungen, zieht aber die von Wilhelm vor.

Zu Gespräche des Kung-futse schreibt Hesse in : Confucius deutsch. In : Die Propyläen ; Jg. 7 (1910)] : Leicht ist die Lektüre nicht, und immer wieder hat man das Gefühl, eine fremde Luft zu atmen, welche von anderer Art und Zusammensetzung ist als die, die wir zum Leben brauchen. Dennoch bereue ich die mit diesen Gesprächen verbrachten Tage nicht… Denn als innersten Kern im Wesen des grossen Fremdlings Confucius erkennen wir dieselben Eigenschaften, die wir bei den grossen Menschen der abendländischen Geschichte längst kennen. Wir empfinden Dinge als natürlich, die uns anfänglich wie groteske Verirrungen erschienen, und finden Dinge reizvoll, ja schön, die uns zuerst abschreckend trocken vorkamen. Und wir Individualisten beneiden diese chinesische Welt um die Sicherheit und Grösse ihrer Pädagogik und Systematik, der wir nichts an die Seite zu stellen haben als unsre Kunst und unsere vielleicht grössere Bescheidenheit vor der aussermenschlichen Natur.
1910
Das älteste China-Buch, das in der Bibliothek von Hermann Hesse steht, ist Schi-king [Shi jing]… von Friedrich Rückert [ID D4634]. Hesse muss das Buch vor 1910 gelesen haben, denn in seinem Aufsatz…
Das älteste China-Buch, das in der Bibliothek von Hermann Hesse steht, ist Schi-king [Shi jing]… von Friedrich Rückert [ID D4634]. Hesse muss das Buch vor 1910 gelesen haben, denn in seinem Aufsatz Lieblingslektüre gibt er an, dass er diese Übersetzung schon gekannt hat, bevor Richard Wilhelm mit seiner Übersetzung 1910 begonnen hat.
1911
Ku, Hung-ming [Gu Hongming]. Chinas Verteidigung gegen europäische Ideen [ID D11435].Er schreibt : Der Engländer kann nicht durch die gelbe Haut hindurch das Innere sehen, das moralische Wesen und…
Ku, Hung-ming [Gu Hongming]. Chinas Verteidigung gegen europäische Ideen [ID D11435].
Er schreibt : Der Engländer kann nicht durch die gelbe Haut hindurch das Innere sehen, das moralische Wesen und den geistigen Wert des Chinesen. Wenn er es könnte, so würde er sehen, was für eine Feenwelt tatsächlich im Innern des Chinesen mit Zopf und gelber Haut verborgen ist. Er würde unter anderen Dingen den Taoismus erblicken, mit Bildern von Feen und Genien, die den Göttern des alten Griechenlandes nichts nachleben : er würde den Buddhismus finden und seinen Sang von unendlichem Leid, Mitleid und Gnade, so süss und traurig und tief wie der mystische unendliche Gesang des Dante. Und schliesslich würde er den Konfuzianismus finden mit seinem Weg des „Edlen“…

Hermann Hesse schreibt eine Rezension über das Buch. Daraus erfährt er etwas über die chinesische Geschichte des 19. Jahrhunderts, den Boxeraufstand und den Opiumkrieg. Er schreibt : Man erfährt daraus viel über die massgebenden politischen Persönlichkeiten Chinas, speziell über die Ära von Li-Hung-Tschang [Li Hongzhang], und darunter manches Erstaunliche. Der sympatische Autor ist, ohne sonderlich originall zu sein, ein feiner, gescheiter Vertreter der alten chinesischen Kultur und Moral, die einer Verteidigung gegen Europa freilich sehr bedarf. Im letzten Grunde hat er Recht : Wir Europäer haben den Chinesen wenig Gutes und viel Schlechtes ins Land gebracht.

Wu Xiaoqiao : Gu Hongming verfasste dieses Werk um zu zeigen, wie seit der Ankunft der Europäer in China wir Chinesen versucht haben, die zerstörenden Kräfte der materialistischen Zivilisation Europas zu bekämpfen und verhindern, dass dadurch Schaden geschehe an der Sache der guten Regierung und wahren Kultur. Er schreibt : "Wir Chinesen als Nationa haben uns bisher dieser echten Macht innerhalb der chinesischen Kultur noch wenig bedient, um die Kräfte der modernen Zivilisation Europas zu bekämpfen". Er versucht den Geist, oder die Seele der chinesischen Zivilisation zu erklären und ihren Wert zu zeigen. Das Buch gilt als eine Erklärung an die europäische Welt und erweist sich als heftige Verteidigung der traditionellen chinesischen Kultur gegen die militärischen und materialistischen Tendenzen der modernen europäischen Zivilisation sowie als Kritik gegen den Gedanken der "Pöbelverehrung". Seiner Ansicht nach führte diese Rücksichtsnahme auf die Masse des Volkes auch zum Weltkrieg. Was die Ähnlichkeiten der verschiedenen Kulturen betrifft, meint Gu : "Wenn man in der Tat die a+b=c Gleichung richtig gelöst hat, wird man finden, dass nur ein geringer Unterschied zwischen dem Osten des Konfuzius und dem Westen Shakespeares und Goethes besteht..."
Gu übte heftige Kritik an der Übertragung von klassischen chinesischen Werken, die seiner Meinung nach zum falschen Verständnis der chinesischen Kultur in Europa beigetragen haben.

Walter Benjamin schreibt an einen Freund über das Buch : Es ist im einzelnen bei meiner völligen Unkenntnis der chinesischen Politik nich anschaulich gewesen ; doch es überrascht, unter ganz fernen Verhältnissen einen so radikalen Kulturwillen zu bemerken, wie Gu Hongming ihn bewährt. Er steht jenseits der Parteipolitik, beurteilt die führenden Persönlichkeiten rücksichtslos nach ihrer moralischen Dignität und sieht für das heutige China mit Schrecken die Gefahr, dass es vom zynischen industrialistischen Geist Europas vergewaltigt werden kann.

Im Vorwort wird erwähnt, dass Gu Hongming in Weimar war und Goethe kannte. Er schreibt, dass die Aufklärung ihre "wirksamsten Ideen" dem Studium chinesischer Ideen und chinesischer Einrichtungen zu verdanken hat.
1911
Hesse, Hermann. Chinesisches in München. In : Die Welt im Buch II. (Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1998).Er schreibt : In den vierziger Jahren [19. Jh.] hat der Orientalist und Ethnograph [Karl…
Hesse, Hermann. Chinesisches in München. In : Die Welt im Buch II. (Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1998).
Er schreibt : In den vierziger Jahren [19. Jh.] hat der Orientalist und Ethnograph [Karl Friedrich] Neumann dem bayerischen Staat eine chinesische Bibliothek von etwa zehntausend Bänden geschenkweise überlassen. Zum Dank dafür wurde er, als freisinniger Neigungen verdächtig, einige Jahre später vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Das war eine der einfachen, begreiflichen politischen Grausamkeiten, die niemanden aufregen. Dass aber der bayerische Staat das Andenken dieses Neumann heute noch mit sonderbarer Hartnäckigkeit zu unterdrucken scheint und dessen Stiftung, die ein unschätzbares Unikum darstellt, geflissentlich totschweigt und der Wirkung beraubt, ist immerhin bemerkenswert. In der Münchener Hof- und Staatsbibliothek stehen jene zehntausend Bände chinesischer Literatur seit all diesen langen Jahrzehnten unbenützbar als altes Papier, denn es existiert kein Katalog darüber, und die gewaltige Sammlung, die in Europa wenig ihresgleichen hat, verstaubt auf dem Speicher… Oder fürchten die Herren davon eine Art gelber Gefahr, nachdem doch der seit Jahrzehnten, verstorbene Demagoge Neumann nicht mehr zu fürchten ist.
Die Direktion der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek bestreitet es und antwortet, dass die Bibliothek allgemein benützbar sei, in der Bibliothek aufgestellt ist, Kataloge bestehen und auch eine Neukatalogisierung geplant sei.
1911
Hermann Hesse tritt seine Reise nach Indien an, die ihn den Chinesen näher als den Indern bringt. Er schreibt : Ich war gegangen, um den Urwald anzusehen, die Krokodile zu streicheln und…
Hermann Hesse tritt seine Reise nach Indien an, die ihn den Chinesen näher als den Indern bringt. Er schreibt : Ich war gegangen, um den Urwald anzusehen, die Krokodile zu streicheln und Schmetterlinge zu fangen, und fand nebenbei und ungesucht etwas viel Schöneres : die Chinesenstädte von Hinterindien und das chinesische Volk, das erste wirkliche Kulturvolk, das ich sah…. Die Inder haben mir im ganzen wenig imponiert, sie sind wie die Malayen schwach und zukunftslos. Den Eindruck unbedingter Stärke und Zukunft machen nur die Chinesen und die Engländer, die Holländer etc. nicht.
Nach seiner Rückkehr schreibt er : Geblieben ist das Erlebnis eines Traumbesuches bei fernen Vorfahren, einer Heimkehr zu märchenhaften Kindheitszuständen der Menschheit, und eine tiefe Ehrfurcht vor dem Geist des Ostens, der in indischer oder chinesischer Prägung mir seither immer wieder nahe kam und zum Tröster und Propheten wurde.
1911
Die erste chinesische Prosadichtung, die Hermann Hesse liest, ist P'u, Sung-ling. Chinesische Geister- und Liebes-Geschichte…in der Übersetzung von Martin Buber. [ID D3083]. Er nennt sie „das…
Die erste chinesische Prosadichtung, die Hermann Hesse liest, ist P'u, Sung-ling. Chinesische Geister- und Liebes-Geschichte…in der Übersetzung von Martin Buber. [ID D3083]. Er nennt sie „das dichterische Wertvollste“ nach dem Shi-king [Shi jing] und den Gleichnissen des Dschuang Tsi [Zhuangzi].
Er schreibt : Diese zauberhaften Geschichten fanden mich wohl vorbereitet und haben mir einen tieferen Eindruck gemacht als alles, was ich sonst seither gelesen habe.
1911
Hermann Hesse liest die Übersetzungen von Richard Wilhelm : Lao-tse. Tao de king [ID D4445] und Liä dsi : das wahre Buch vom quellenden Urgrund [ID D4446].Adrian Hsia : Im Gegensatz zu Zhuangzi…
Hermann Hesse liest die Übersetzungen von Richard Wilhelm : Lao-tse. Tao de king [ID D4445] und Liä dsi : das wahre Buch vom quellenden Urgrund [ID D4446].

Adrian Hsia : Im Gegensatz zu Zhuangzi äussert sich Hesse nicht besonders lobenswert über Liezi, doch findet man in seinem Handexemplar angekreuzte Dialoge, Anekdoten und Gedanken.

Liu Weijian : Laozis Lehre wird ihm eine Art geistige Quelle und für lange Zeit zur wichtigsten Offenbarung.
1911
Hermann Hesse schreibt über die chinesischen Bücher die er gelesen hat : Es steht mir nicht an, weder über die chinesischen Bücher selbst noch über die Arbeit ihrer Übersetzer klug zu reden ; ich…
Hermann Hesse schreibt über die chinesischen Bücher die er gelesen hat : Es steht mir nicht an, weder über die chinesischen Bücher selbst noch über die Arbeit ihrer Übersetzer klug zu reden ; ich wollte nur erzählen, dass diese merkwürdigen Bücher mir, der ich vom alten Orient nur die buddhistischen und dem Buddhismus verwandte Philosophien als Laie gekannt hatte, ganz neue Werte mitgeteilt haben. Ostasien hat, zwischen Buddha und Christus, eine nie zur Volksreligion gewordene Philosophie besessen, deren aktive, lebendig schöne Ethik der christlichen entschieden näher steht, als der indisch-buddhistischen.
1913
Hesse, Hermann. Aus Indien. (Berlin : S. Fischer, 1913). Darin erzählt er, dass er auf der Hinreise auf dem Schiff dem ersten, einem gebildeten Chinesen aus Shanghai, begegnet ist. Nachher habe er…
Hesse, Hermann. Aus Indien. (Berlin : S. Fischer, 1913). Darin erzählt er, dass er auf der Hinreise auf dem Schiff dem ersten, einem gebildeten Chinesen aus Shanghai, begegnet ist. Nachher habe er nur noch chinesische Kaufleute und Diener getroffen. Dieser Chinese kenne das Shi jing auswendig, spreche in geläufigem Englisch über das Mondlicht über dem Wasser und lächle immerzu wie ein Buddha. Über die Bevölkerung schreibt Hesse : Überall Chinesen, die heimlichen Herrscher des Ostens, überall chinesische Läden, chinesische Schaubuden, chinesische Handwerker, chinesische Hotels und Klubs, chinesische Teehäuser und Freudenhäuser… Japanische Dirnen sitzen kauernd am Steinrand der Gosse und girren wie fette Tauben, aus chinesischen Freudenhäusern glänzt golden der wohlbestellte steife Hausaltar, hoch über der Strasse in offenen Veranden hocken alte Chinesen mit kühlen Gebärden und heissen Augen beim aufregenden Glücksspiel, andere liegen und ruhen oder rauchen und hören der Musik zu, der feinen, rhythmisch unendlich komplizierten und exakten chinesischen Musik.
Er schreibt später : Meine damalige Philosophie war die eines erfolgreichen, aber müden und übersättigten Lebens, ich fasste den Buddhismus als Resignation und Askese auf, als Flucht in Wunschlosigkeit, und blieb Jahre dabei stehen...
1914
Hermann Hesse liest die Übersetzungen der Chinesischen Volksmärchen von Richard Wilhelm [ID D1585]. Er schreibt : Wir finden viel Naivität, Kindlichkeit und Spielerei, daneben eine grosse…
Hermann Hesse liest die Übersetzungen der Chinesischen Volksmärchen von Richard Wilhelm [ID D1585]. Er schreibt : Wir finden viel Naivität, Kindlichkeit und Spielerei, daneben eine grosse Feinfühligkeit im Ästhetischen, Betonung der poetischen Einzelheit, Freude am Detail überhaupt neben einer gewissen Gleichgültigkeit gegen den erzählerischen Aufbau (mit Ausnahme der Kunstmärchen), Geisterglaube und andere animistische Vorstellungen herrschen durchaus, selten siegt persönliche Überlegenheit über diese dämonischen Abhängigkeiten. Dafür aber steht der Gebundenheit und Primitivität solcher Anschauungen ein Gebäude von moralisch-politischer Lebensbeherrschung gegenüber, eine Autorität der Sitte, eine Zucht der Höflichkeit, eine Heiligkeit der auf der Familie aufgebauten sozialen Autorität, die wir voll Hochachtung bewundern müssen.
1914
Hesse, Hermann. Erinnerung an Asien. In : März ; Jg. 8 (1914).Er schreibt : Bei den Chinesen war von allem Anfang an der Eindruck eines Kulturvolkes da, eines Volkes, das in langer Geschichte…
Hesse, Hermann. Erinnerung an Asien. In : März ; Jg. 8 (1914).
Er schreibt : Bei den Chinesen war von allem Anfang an der Eindruck eines Kulturvolkes da, eines Volkes, das in langer Geschichte geworden und gebildet ist und im Bewusstsein der eigenen Kultur nicht nach rückwärts, sondern in eine tätige Zukunft blickt… Den Chinesen gegenüber war mein Gefühl zwar stets eine tiefe Sympathie, aber gemischt mit einer Ahnung von Rivalität, von Gefahr ; mir schien, das Volk von China müssen wir studieren wie einen gleichwertigen Mitbewerber, der uns je nachdem Freund oder Feind werden, jenfalls aber uns unendlich nützen oder schaden kann…
Nach dem Besuch eines chinesischen Theaters schreibt er : Es gibt in Europa kein einziges Opernhaus, in dem Musik und Bewegungen des Bühnenbildes so tadellos, so exakt und harmonisch miteinandergehen wie hier in dieser Bretterbude… Es ist klar, dass kein Import aus Osten uns hier helfen kann, kein Zurückgehen auf Indien oder China, auch kein Zurückflüchten in ein irgendwie formuliertes Kirchenchristentum. Aber es ist ebenso klar, dass Rettung und Fortbestand der europäischen Kultur nur möglich ist durch das Wiederfinden seelischer Lebenskunst und seelischen Gemeinbesitzes. Dass Religion oder deren Ersatz das ist, was uns zutiefst fehlt, das ist mir nie so unerbittlich klar geworden wie unter den Völkern Asiens.

Adrian Hsia : Hesse hat nur die Chinesen Hinterindiens kennen gelernt. Er wusste nichts vom Elend des Volkes und von der Korruption der gebildeten Schichten. Auch wusste er nichts von der Unterdrückung und Ausbeutung der Chinesen durch die Kolonialmächte… Deshalb sah er die Chinesen vielleicht etwas idealisiert…Hesses Sympathie und Bewunderung für die Chinesen haben ihn nach der Rückkehr bewogen, sich die chinesische Philosophie und Literatur weiter zu erschliessen.
1914 Hesse, Hermann. Der Dichter. In : O mein Heimatland ; Jg. 3 (1914).
Adrian Hsia : Dieses Märchen weist eine Vielzahl chinesischer Elemente und taoistischer Einflüsse auf.
1914
Hermann Hesse schreibt an seinen Vater : In letzter Zeit kam ich, nach zehn Jahren Pause, wieder an die Lektüre Nietzsches und finde darin sehr viel neue Anregung und Genuss… Dabei ist mir in seinem…
Hermann Hesse schreibt an seinen Vater : In letzter Zeit kam ich, nach zehn Jahren Pause, wieder an die Lektüre Nietzsches und finde darin sehr viel neue Anregung und Genuss… Dabei ist mir in seinem Antichrist eine kleine Stelle über Lao Tse [Laozi] aufgefallen… Es heisst da, Jesus würde sich unter Indern der Sankhyam-Begriffe, unter Chinesen derer des Lao Tse bedient haben. Diese Verwandtschaft hat also Nietzsche schon 1888 gefühlt.
1915
Hermann Hesse liest Chinesische Novellen übertragen von Hans Rudelsberger [ID D11981] ; Chinesische Novellen übertragen von Paul Kühnel [ID D11982] ; Chinesische Abende übertragen von Leo Greiner [ID…
Hermann Hesse liest Chinesische Novellen übertragen von Hans Rudelsberger [ID D11981] ; Chinesische Novellen übertragen von Paul Kühnel [ID D11982] ; Chinesische Abende übertragen von Leo Greiner [ID D11983] ; Li Tai Pe. Nachdichtungen von Klabund [ID D2998].

Er schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung ; Nr. 811 (1915) : Diese paar Bücher, deren jedes ein eigenes Stück China bringt und deutlich die Subjektivität seiner Auswahl spüren lässt, haben mich ungezählte Tage bschäftigt und unterhalten… Das doppelte Gesicht Chinas sieht mir daraus entgegen ; denn alles chinesische Wesen, vor allem alle chinesische Dichtung hat für mein Gefühl zwei Gesichter, zwei Seiten, zwei Pole. Die eine Seite ist eine stille, naive Gegenwärtigkeit, ein konservativ praktisches Verharren bei den Realitäten des täglichen Lebens, eine Achtung vor Leben, Gesundheit, Famlienglück, vor Gedeihen, Besitz, Reichtum in jeder Form...

Adrian Hsia : Die Bücher in Hesses Besitz enthalten eigenhändige Bemerkungen, bei Geschichten, die sich in anderen Ausgaben wiederholen, und zwar immer mit dem Namen des Übersetzers. Er stellt nicht unbedeutende Abweichungen fest.

Hesse schreibt über Li Bo : Bis heute ist Wesen und Sinn der chinesischen Lyrik dem Westen noch ebenso fremd wie Wesen und Sinn der chinesischen Malerei.
1916
Nach seiner Indien-Reise widmet sich Hermann Hesse der indischen und chinesischen Philosophie und Literatur. Gleichzeitig beschäftigt er sich mit dem politischen Zeitgeschehen und ergreift Partei…
Nach seiner Indien-Reise widmet sich Hermann Hesse der indischen und chinesischen Philosophie und Literatur. Gleichzeitig beschäftigt er sich mit dem politischen Zeitgeschehen und ergreift Partei gegen die in Europa herrschenden Vorurteile über China und die koloniale Machtpolitik. Er verurteilt die Meinungen über die Grausamkeit, die Rückständigkeit und die Opiumsucht Chinas und der chinesischen Bevölkerung.
Er schreibt : Man erzählt viel von der Spielsucht der Chinesen aller Stände und munkelt je und je geheimnisvoll von einem Zuge tiefer, wilder Grausamkeit, der allen Chinesen im Grunde eigen sei. In der Wirklichkeit bekommt man von dieser Grausamkeit nie etwas zu sehen, als seltene Polizeinachrichten oder Berichte aus älterer Zeit, meist aus Kriegs- oder Revolutionszeiten, und diese melden nichts Schlimmeres, als was uns auch aus europäischen Kriegen, selbst den allerneuesten, vertraut und geläufig ist. Das Opiumrauchen, an sich und als Volksgefahr gewiss nicht schlimmer als die Trunksucht in Europa, scheint im Rückgang begriffen, wird von europäischen Opiumhändlern unterstützt und von grossen chinesischen Gesellschaften genau so bekämpft und überwacht wie bei uns die Trunksucht von den Abstinenzgesellschaften.
1916 Hesse, Hermann. Faldun. In : Westermanns Monatshefte ; Jg. 60, Bd. 120 (1915-1916).
Adrian Hsia : Faldun enthält Motive aus chinesischen Erzählungen.

Quellen (1)

Jahr Bibliografische Daten Typ / Abkürzung Verknüpfte Daten
1939 Suzuki, Daisetz Teitaro. Die grosse Befreiung : Einführung in den Zen-Buddhismus. [Übersetzt von Heinrich Zimmer] ; Geleitwort von C[arl] G[ustav] Jung . (Leipzig : C. Weller, 1939). Publication / Jung1

Zitiert von (1)

Jahr Bibliografische Daten Typ / Abkürzung Verknüpfte Daten
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