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Chronology Entries

# Year Text
1 1921
Xu Zhimo erhält den M.A. in Political Science der Columbia University, N.Y.
2 1921
Zheng Zhenduo wird erster Generalsekretär der Wen xue yan jiu hui (Literary Association).
3 1921
Zhu Qianzhi studiert Buddhismus in Nanjing.
4 1921
Victor Purcell tritt in den Malayan Civil Service ein, spezialisiert sich in chinesischen Angelegenheiten und geht nach China um Chinesische zu lernen und sich mit der chinesischen Kultur zu beschäftigen.
5 1921
Hesse, Hermann. Chinesische Betrachtung. In : Neue Zürcher Zeitung (1921).
Hesse schreibt : In den letzten zwanzig Jahren hat das alte, geistige China, das vorher kaum einigen Gelehrten bekannt war, uns durch Übersetzungen seiner alten Bücher, durch den Einfluss seines alten Geistes zu erobern begonnen. Erst seit zehn Jahren ist Lao Tse [Laozi] in allen Sprachen Europas durch Übertragungen bekanntgeworden und zu gewaltigem Einfluss gelangt… Jetzt denken wir, wenn vom Geiste Ostasiens die Rede ist, ebensosehr oder mehr an China, an die chinesische Kunst, an Lao Tse [Laozi], an Dschuang Dsi [Zhuangzi], auch an Li Tai Pi [Li Bo]. Und es zeigt sich, dass das Denken des alten China, zumal das des frühen Taoismus, für uns Europäer keineswegs eine entlegene Kuriosität ist, sondern uns im Wesentlichen bestätigt, im Wesentlichem berät und hilft. Nicht als ob wir aus diesen alten Weisheitsbüchern plötzlich eine neue, erlösende Lebensauffassung gewinnen könnten, nicht als ob wir unsere westliche Kultur wegwerfen und Chinesen werden sollten ! Aber wir sehen im alten China, zumal bei Lao Tse [Laozi], Hinweisungen auf eine Denkart, welche wir allzusehr vernachlässigt haben, wir sehen dort Kräfte gepflegt und erkannt, um welche wir uns, mit anderm beschäftigt, allzulange nicht gekümmert haben.
6 1921
Romain Rolland erkundigt sich bei Hermann Hesse nach guten Übersetzungen des Dao de jing. Hesse empfiehlt ihm die Übersetzungen von Julius Grill [ID D11979] und Richard Wilhelm. [ID D444]. Er schreibt ihm : Laozi ist für mich seit vielen Jahren das weiseste und tröstlichste, was ich kenne, das Wort Tao bedeutet für mich den Inbegriff jeder Weisheit.
7 1921
Hesse, Hermann. Piktors Verwandlungen : ein Liebesmärchen. (Chemnitz : Gesellschaft, 1921).
Adrian Hsia : In diesem Märchen hat sich Hesse eine Grundidee der taoistischen Weltanschauungen zu eigen gemacht : Yin und Yang, die alle Verwandlungen auslösen, bilden eine Einheit. Piktors Verwandlungen ist das letzte der kurzen Prosastücke Hesses, worin er taoistische Ideen assimiliert hat.
8 1921
Christoph Gellner : Hermann Hesse unterzieht sich psychotherapeutischen Behandlungen bei Carl Gustav Jung. Es ist denn auch dieser Zusammenklang von asiatischer Philosophie und Psychoanalyse, die Sehnsucht nach einer Synthese aus östlicher Entselbstungslehre und abendländischer Aktivität, wovon sich Hesse die Wiedergeburt des europäischen Geistes verspricht… Das was Hesse in der Jugend an der Lehre des Buddha bewundert – diese Vernünftigkeit und Gottlosigkeit, diese unheimliche Exaktheit und dieser Mangel an Theologie, an Gott, an Ergebung – gerade das, was er unter den buddhistischen Priestern auf Ceylon vergeblich gesucht hatte, das empfand er nun als ausgesprochenen Mangel… Im selben Masse, wie es Hesse in der Psyhotherapie gelang, seine eigene traumatische religiöse Sozialisation im pietistischen Protestantismus aufzuarbeiten, im selben Masse vermochte er sich allmählich auch von seiner pessimistisch-resignativen Buddhismusschwärmerei der Vorkriegszeit zu lösen…
9 1921
Klabund. Laotse. Mensch, werde wesentlich. [ID D11984].
Er schreibt im Nachwort : Der östliche Mensch ist der Weise, der Helle, der Heilige, der Wesentliche. Zu werden wie er, zu sein wie er : ruft er uns zu ; denn wir sind müde des funktionellen, des mechanischen, des rationellen Da-seines und Dort-denkens. Der Relativismen des Wissens und der Wissenschaft. Der unfruchtbaren Dialektik. Des geistigen Krieges aller gegen alle. Die Sehnsuch nach einem wahren Frieden der Seele, dem absoluten Sinn in sich und an sich ist deine tiefste Sehnscuht, Mensch !

Kuei-fen Pan-hsu : Klabund überträgt 29 von den 81 Sprüchen des Tao de jing. Er hält die ursprüngliche Reihenfolge nicht ein, sondern ordnet sie nach eigenen Intentionen, die besonders den politischen und ethnischen Bereich in den Vordergrund stellen. Für das chinesische Wort „Dao“ verwendet er durchgegend den Begriff „Sinn“. Den Begriff „De“ überträgt der mit „Sein“. „Sein“ bedeutet für ihn ein vom Dao bzw. vom Sinn erfülltes Leben. Die Begriffe scheint er von Richard Wilhelm übernommen zu haben. Wichtig ist der Untertitel nach Silesius : Klabund sieht Laozi mit dem deutschen Mystiker verwandt. Die daoistische naturphilosophische Anschauung wird mit der Innenschau von Silesius gleichgesetzt, nämlich in der Sich-Versenkung die Grenzen zwischen dem Ich und dem Göttlichen zu überwinden – im Fall des Daoismus, in dem nichtseienden und doch alles umfassenden Dao aufzugehen… Klabund hält sich an die Bedeutung des Originaltextes, ändert oder ergänzt aber Wörter, Sätze, um so einen besseren Klang zu erzielen. Dadurch entsteht an einigen Stellen eine Abweichung der ursprünglichen Bedeutung…
10 1921
Döblin, Alfred. Der Überfall auf Chao-lao-sü. In : Genius. (München : K. Wolff, 1921) ; vol. 3 (1921).
Wei Luo : Diese Erzählung war eigentlich das Eingangskapitel des Wang-lun. Döblin bemüht sich um eine stilistische Übereinstimmung mit dem typisch traditionellen chinesischen Roman… zweitens um das politisch-revolutionäre Element der Romanaussage hervorzuheben… Dem sozialpolitischen Hauptanliegen weicht nun die philosophische Reflexion, die im chinesischen Roman fast einen dominierenden Platz einnimmt.
11 1921
Döblin, Alfred. Staat und Schriftsteller : Rede… zur Tagung des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller am 7. Mai 1921, Berlin. (Berlin : Verlag für Sozialwissenschaft, 1921).
Er schreibt : Bei der Niederwerfung des Boxeraufstandes marschierten die europäischen Truppen durch Tsingtau (Qingdao). Die chinesische Bevölkerung liess sich die einzelnen Formationen und Rangstufen demonstrieren : es gab Grinsen und Achselzucken beim Anblick der Uniformen, der Soldaten und der hohen Offiziere auf den schönen Pferden. Dann kam ein Mann hinten beim Gepäck, er fuhr in einem kleinen zweirädrigen Wagen, ein gewöhnlicher Zivilist. Als man ihnen diesen wies und sagte, dies sei ein Schreiber, ein Schriftsteller, ein Literat, traten sie achtungsvoll zurück, schwangen grüssend die Hände, verneigten sich… Dieses China hat seine ungeheure, eigentlich beispiellose und im Grunde auch jetzt noch unerschütterte Stabilität dadurch erlangt, dass in langen Jahrhunderten die Dynastien in grosser Ehrfurcht vor dem Volk, den hundert Familien, an sich zogen, was an Geistigkeit im Volk lebte, und selber in dieser Geistigkeit lebten.

Wei Luo : Döblin richtet sich in dieser Rede bei der Erörterung des Verhältnisses zwischen Schriftsteller und Staat nach dem konfuzianischen Denken. Er hält dem materialistischen, unmenschlichen und chaotischen Deutschland und Europa das konfuzianische China als einen Spiegel vor… und fordert : Der Staat müsse sich humanisieren und kultivieren…
12 1921
Luo Wei : Wilhelm hat in Licht aus Osten [ID D12462] dem Konfuzianismus besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er weist nachdrücklich darauf hin, dass im Unterschied zum Taoismus, der mit seiner Rückkehr zur Natur das Handeln, das denkende Erkennen, alles Logische und Bewusste meide, der Konfuzianimus sowohl von den überrationalen Kräften als auch von der höheren Bildung überzeugt sei.
Er sieht sowohl in der konfuzianischen als auch in der taoistischen Lehre den östlichen Geist, der nach innen gewandt und dessen wichtigster Gegenstand der Beschäftigung der Mensch sei, wovon das machtgierige und vom Krieg zerstörte Europa das Heil erwarte, indem man die Innenwelt, die Menschen, die Lebenskunst, die Organisierung in den Blickpunkt des Bewusstseins treten lasse.
13 1921
Alexander Ular schreibt über Laozi : Von Lao-tse zu Nietzsche beschreibt die Geschichte des Wissens von den letzten Dingen eine Spirale. Beide sind einander nahe. Wo aber ist der Anfang und wo das Endglied der Kurve ? Lao-tse müsste ein ferner Nachkomme Nietzsches sein. Oder China ist dreissig Jahrhunderte über Europa hinaus.
Han Ruixin : Ular sieht die Berührungspunkte im Denken Nietzsches und Laozis vor allem in der Verdammung der Wissenschaft und der Auflehnung des Menschen gegen den natürlichen Weltenlauf. Seine Überssetzung des Dao de jing versteht er als einen bahnbrechenden Versuch, den alten chinesischen Text in seinem wirklichen Sinn wiederzugeben. Nach Ular „strozten“ die bisherigen Übersetzungen von Irrtümern und Fehlinterpretationen. Er erhebt den Anspruch, die „Hieroglyphen“ in ihrem ursprünglichen Sinne zu verstehen und diese wiederzugeben. „Ich habe hiermit zu meiner Freude an vielen Stellen klaren Sinn und tiefe Weisheit gefunden, wo die chinesischen Kommentatoren Unverständlichkeit und die westländischen Philologen nur zu oft blödes Geschwätz fanden“.
14 1921
Klabund. Das Blumenschiff [ID D12523].

Han Ruixin : Die Kraft, die Klabund aus der taoistischen Lehre schöpfte, ermöglichte ihm auch die weitere Beschäftigung mit der chinesischen Lyrik. Zum Andenken an seine Frau schreibt er die Nachdichtungs-Anthologie Das Blumenschiff mit 54 Gedichten.
Darin enthalten sind : Li Bo, Du fu, Bai Juyi, Wang Changling, Zhu Qingyu, Zhang Jiuling, Zhang Ji und Zhu Qingyu. Sowie Gedichte aus dem Shi jing und Dichter aus einer anderen Epoche wie Kaiser Wu Di, Mei Sheng, Zhuo Wenjun, Pan Jieyu, Wang Sengru, Su Dongpo, Ding Dunling, Li Hongzhang, Cao Zhi. Bei einigen Gedichten ist keine chinesische Herkunft feststellbar.

Kuei-fen Pan-hsu : Klabunds Gedichte im Blumenschiff zeigen Schönheit in den Bildern, in der Form und im Klang. Dennoch verlassen sie durch seine Ergänzungen ihren Standort im chinesischen Kulturraum und verlieren den ursprünglichen Aussagewert. Der Band enthält schöne „chinesische“ Gedichte, von denen manche durch die hervorgehobenen Bilder und den Rhythmus die Originale wiedergeben können. Viele weichen aber von den Originalen ab, da schon in den Vorlagen Zitate und Anspielungen weggelassen wurden. Sie tendieren zur Ästhetisierung und erscheinen manchmal durch Klabunds Phantasie vollkommen anders. Dennoch bewirken diese Gedichte, dass das Interesse des Lesers an chinesischer Literatur durch Klabunds Werke angeregt wird ; zugleich aber führen sie dazu, dass Missverständnisse und Vorurteile über chinesische Literatur und Kultur beim Leser entstehen.
15 1921
Wang-siang. Das Buch der irdischen Mühe und des himmlischen Lohnes. Übertragen von Klabund. [ID D12680].
Quelle : Abel-Rémusat Le livre des récompenses et des peines [ID D1937].
Einfluss hatten auch Laozi, Liezi und Zhuangzi.

Kuei-fen Pan-hsu : Das Interesse an chinesischer Philosophie führt Klabund auch zur chinesischen Volksreligion. Es sind ethische Gebote und Verbote, denen gefolgt werden soll. Eine Verletzung bringt dem Menschen Unheil.
16 1921
Klabund. Franziskus [ID D12691]
Kuei-fen Pan-hsu : In diesem Roman vermischt Klabund christliche, buddhistische und daoistische Elemente… Ferner übernimmt er den sogenannten chinesischen Alleinheitsgedanken… In der Bezeichnung des chinesischen Denkens mit der vereinfachten Formel „Einheit von Mensch und Natur“ kommt die Sehnsucht, sowohl im Westen als auch im Osten zum Ausdruck.
17 1921
Gründung der Kommunistischen Partei Chinas. Der Marxismus wird zur leitenden Ideologie der Partei erklärt und legt grossen Wert auf die Propagierungs des Marxismus, den sie als einen Bestandteil der revolutionären Sache des Proletariats betrachtet.
Mao Zedong sagt : Erst nach dem Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution fanden wir den Marxismus-Leninismus, diese höchste Wahrheit, die zur besten Waffe für die Befreiung unserer Nation gemacht wurde, wobei der Initiator, Propagandist und Organisator die Kommunistische Partei war.
18 1921
Bertolt Brecht spricht in seinem Tagebuch von der Absicht, das Wuwei aus Wang-lun als Material einer geplanten Trilogie „Asphaltdschungel“ zu benutzen.
19 1921
Karlin, Alma Maximiliana. Mein kleiner Chinese [ID D13135].
Die Geschichte spielt in China in der Zeit nach 1911.

Karlin schreibt : Selbst die chinesische Bühne, die wirklich für unsere Begriffe sehr langweilig und unschön ist, und bei der die Phantasie des Zuschauers fast alles Fehlende ersetzen muss, erfreut mit ihren fast kindlichen Darstellungen die Chinesen... aber die lärmenden Musikanten und die übereinfache Bühnenausstattung macht jeden Theatergang uns Europäern eher zu einer Folter als zu einem Vergnügen.

Zhang Zhenhuan : Karlin verbrachte auf ihrer Weltreise auch einige Zeit in China. Für ihren Roman wählt sie nur Orte, die sie besucht hat. Es ist anzunehmen, dass sie auch einen Teil der Informationen in London sammelte. Der Roman trägt autobiographische Züge… Der Versuch, Informationen über China umfassend zu vermitteln, dient dem Zweck, die Charaktere der Figuren mit dem Wesen des Landes in Zusammenhang zu bringen. Man hat das Gefühl, dass eine literarische Illustration der Charakteres aus Kürschners China [ID D2671] vorliegt. Die chinesischen Charaktere werden folgendermassen beschrieben : Vorgetäuschte Höflichkeit, Gefühllosigkeit, Grausamkeit, Verlogenheit bis zur Vorliebe für Lärm und Schmutz.
Karlin versucht den Eindruck zu erwecken, dass sie alles aus erster Hand und eigener Erfahrung weiss. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie auf gängige Klischees zurückgreift.
Sie schreibt : Finger weg von den Asiaten ! Eine solche Beziehung verdirbt uns die Rasse.
20 1921
Hans Schiebelhut lernt den deutschen Konsul Karl August Balser aus Beijing kennen und nimmt bei ihm Chinesisch-Unterricht. Diese chinesischen Studien führen ihn zur Übersetzung chinesischer Lyrik. Vor allem hat er eine grosse Bewunderung für Li Bo.

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