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1 1919
1919-1983 Anna Seghers Privatbibliothek in der Akademie der Künste Berlin : Werke in Beziehung zu China
All-China Association of the Fine Arts Workers. (Peking : Cultural Press, 1951).
Altchinesische Fabeln [ID D14777].
Altchinesische Liebes-Komödien [ID D13141].
Belden, Jack. China erschüttert die Welt [ID D9566].
Bethge, Hans. Die chinesische Flöte [ID D11977].
Bleichsteiner, Robert. Die gelbe Kirche [ID D14778].
Braun, Otto. Chinesische Aufzeichnungen [ID D3788].
Burchett, Wilfred G. China verändert sich [ID D14779].
Chao, Shu-Li. Die Wandlung des Dorfes Lidjiadschuang [ID D9436].
Chao, Shu-Li. Die Lieder des Li Yü-Ts'ai [ID D5018].
Chao, Shu-Li. Rhymes of Yu-tsai and other stories [ID D10495].
Ch’i, Po-shih. Farbige Pinselzeichnungen [ID D14803].
China : eine Großmacht im Wandel der Jahrtausende [ID D14780].
China erlebt von deutschen Künstlern [ID D3644].
China's resistance in its sixth year (1943).
Chinese philosophy in classical times [ID D8333].
Chinesische Volksmärchen. Übers. von Richard Wilhelm [ID D1585].
Ch’ü, Yüan. Li Sao and other poems [ID D9392].
Classical China. Ed. by William H. McNeill and Jean W. Sedlar [ID D14783]. [Mit Widmung].
Döblin, Alfred. Die drei Sprünge des Wang-Lun (1960) [ID D12338].
Die drei Reiche. Übertragen von Franz Kuhn (1951) [ID D1018].
Ehrenstein, Albert. Räuber und Soldaten [ID D12207].
Epstein, Israel. China [ID D14786].
The first year of victory. (Peking : Foreign Languages Press, [um 1950]).
Forman, Harrison. Report from red China [ID D14458].
Frisch, Max. Die Chinesische Mauer [ID D14787].
Die Geschichte von Zhao Gualan. (Shanghai :1951).
Hauser, Otto. Die chinesische Dichtung (1921) [ID D12694].
Hsiao, Chün. Das erwachende Dorf [ID D14788].
Jensen, Fritz. China siegt [ID D3984].
Kao, Yü-pao. Kao Yu-pao's school days [ID D14793].
Kiesling, Gerhard. China [ID D14789].
Das kleine China-Handbuch. (Peking : Verlag für fremdspr. Literatur, 1958).
Ku Hung-Ming. Der Geist des chinesischen Volkes (1917) [ID D10756].
Kunstausstellung der Volksrepublik China [ID D14791].
Kuo, Mo-jo. Chu yuan [ID D9407].
Lao-Tse. Die Bahn und der rechte Weg des Lao-Tse. Urschrift nachgedacht von Alexander Ular. (3. Aufl.). [ID D11974].
Lao-tse. Tao-teh-king. Übers. von Tsutomu Itoh [ID D14796].
Lattimore, Owen. China : resumen historico [ID D8797]. [Nicht aufgeschnitten].
Laudse. Daudedsching. Übers. von Ernst Schwarz [ID D3776].
Lehrbuch der chinesischen Sprache. 1-2. (Shanghai : 1923-1924).
Lernen der chinesischen Sprache nach dem Bild. (Shanghai : Verlag der Kinderbuchhandlung, 1951).
Li, Dji. Wang Gue und Li Hsiang-hsiang [ID D14794].
Li Chih-hua. Struggle against counter-struggle [ID D14795].
Li, Yuwen. A new Chinese-English dictionary. (Shanghai : Commercial Press, 1923).
Liang, Hsing. Liu Hu-Lan : story of a girl revolutionary (Peking : Foreign Languages Press, 1953). [Liang, Xing. Liu Hulan xiao zhuan].
Liang, Kuan. Gestalten und Szenen der Peking-Oper [ID D14790].
Liä dsi. Übers. von Richard Wilhelm [ID D4446].
Lim Sian-tek. Folk tales from China. (New York : Day, 1944).
Lin, Yutang. My country and my people (1939) [ID D13801].
Liu, Ch’ing. Wall of bronze [ID D14797].
Liu, Pai-yu. Flames ahead [ID D14798].
Liu, Shao-chi [Liu, Shaoqi]. On inner-party struggle. (Peking : Foreign Languages Press, 1951).
Liu, Shao-chi [Liu Shaoqi]. On the party. (Peking : Foreign Languages Press, 1950).
Lu, Hsün. Erzählungen aus China [ID D14799].
Lu, Hsün. Die Flucht auf den Mond [ID D14800].
Lu, Hsün. Morgenblüten - abends gepflückt [ID D14801].
Lu, Hsün. Die Reise ist lang [ID D14802].
Lu Hsun. Selected stories of Lu Hsun. (Peking : Foreign Languages Press, 1954).
Mao, Dun. Rasskazy (Moskva : Chudozestvennaja Literatura, 1954).
Mao Tse-Tung [Mao Zedong]. Kurzbiographie. – (Berlin : Dietz, 1954).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Artistes et écrivains dans la Chine nouvelle. (Paris : Seghers, 1954).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Einleitung zur Zeitschrift "Der Kommunist". (Berlin : Dietz, 1954).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Gedichte. Deutsche Nachdichtung von Rolf Schneider. (Berlin : Verlag Volk u. Welt, 1958).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Gegen den Liberalismus. (Peking : Verlag für fremdsprachige Literatur, 1955).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. On people's democratic dictatorship. (Peking : Foreign
Languages Press, 1951).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. On practice : and the relation between knowledge and practice, between knowing and doing. (Peking : Foreign Languages Press, 1951).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Quotations from chairman Mao Tse-Tung. (Peking : Foreign Languages Press, 1967).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Rede an die Künstler und Schriftsteller. Aus dem Französ. übertr. von Eva Klemperer. (Berlin : Henschel, 1950).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Reden an die Schriftsteller und Künstler im neuen China auf der Beratung in Yenan. [Bearb. von] Hermann T. Wiemann. Mit einem Nachwort von Anna Seghers. (Berlin : Henschel, 1952).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Reden auf der Beratung über Literatur und Kunst zu Yenan (Peking : Kulturelle Presse, 1950). [Mit Anstreichungen].
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Über den Widerspruch. 2. Aufl. (Berlin : Dietz, 1955).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Über die Diktatur der Volksdemokratie. (Berlin : Dietz, 1951).
Mao, Tse-tung [Mao, Zedong]. Über die Praxis : über den Zusammenhang von Erkenntnis und Praxis, von Wissen und Handeln (Berlin : Dietz, 1952).
Mong-Dsi. Übers. von Richard Wilhelm (1916) [ID D4448]
Mjau, Tschu-hwang [Miao, Chuhuang]. Kurze Geschichte der kommunistischen Partei Chinas (Berlin : Dietz, 1960).
Nikiforov, V. Die Volksrevolution in China : Abriss der Geschichte des Kampfes und Sieges des chinesischen Volkes. Übers.: Leon Nebenzahl. (Berlin : Dietz, 1952).
Peace through the ages. Transl. by Rewi Alley [ID D10347].
The people's new literature [ID D14792].
Pommeranz-Liedtke, Gerhard. Chinesische Holzschnitte der Gegenwart [ID D14781].
Pommeranz-Liedtke, Gerhard. Chinesisches Kunstschaffen [ID D14782].
Seitz, Gustav. Studienblätter aus China [ID D14453].
Smedley, Agnes. China blutet (1949) [ID D3323].
Smedley, Agnes. China kämpft (1951) [ID D14804].
Smedley, Agnes. Eine Frau allein (1951) [ID D14805].
Sun, Yat-sen. Reden und Schriften. [Übers., Ausw., Einl. u. Anm. von Brigitte Scheibner u. Helga Scherner]. (Leipzig : Reclam, 1974).
Tschöng, Tau. Meine Familie [ID D14806].
Tsao, Ming. The moving force [ID D14807].
Uhse, Bodo: Reise- und Tagebücher. (Berlin : Aufbau-Verlag, 1981). [Enthält „Tagebuch aus China“ ID D3674].
Weiskopf, Franz Carl. Gesang der gelben Erde [ID D13073].
Weiskopf, Franz Carl. Die Reise nach Kanton [ID D3617]. [Mit Widmung].
Yu, Feng Sung ; Black, Robert. Chinese in 30 lessons (Hollywood : Rodd, 1944).
Zehn Bambusstübchen : chinesische Holzschnitte. (Peking : 1952).
Zhao Beiwan. - Shanghai, 1951. - ca. 100 S. : Ill. Bilderheft.
Dschuang Dsi. Übers. von Richard Wilhelm (1920) [ID D4447].
2 1919-1924
Anna Seghers studiert Kunstgeschichte, Geschichte und Sinologie an den Universitäten Köln und Heidelberg.
Sie schreibt : Dann lasen wir Bücher, die über Chinesen und von ihnen geschrieben waren. Wir sahen Skulpturen und Bilder in Deutschland und im Ausland. Wir fanden Lehrer, die leidenschaftlich die Selbständigkeit der Kunst Chinas verteidigten. Sie stritten mit Kunsthistorikern, die in der Antike Europas den einzigen Ursprung künstlerischer Gestaltungskraft erblickten… Sie trauten der Phantasie des gewaltigen Volkes keine eigene Ausdruckskraft zu… Wir waren vom Märchen zur Wissenschaft übergegangen. So glaubten wir wenigstens… Hinfahren konnten wir nicht. Es war für uns schwer mit der [chinesischen] Wirklichkeit in Berühung zu kommen. Es war schwer, aber nicht unmöglich…
Bald kamen wir in Deutschland selbst mit jungen chinesischen Menschen zusammen… Sie waren dem Tod entronnen und lebten eine Zeitlang in unserer Mitte, um ruhig zu studieren… Unsere Freunde fuhren als Lehrer zurück in die roten Provinzen im Süden. Es war eine gefährliche, vielleicht oft tödliche Heimkehr. Sie traten sie aber so kühn und hoffnungsvoll an, als sei ihre Reise leicht und froh…
3 1919
Klabund. Hör es, Deutscher ! In : Der Revolutionär ; Bd. 1 (1919).
Er schreibt : Sieh nur nach innen ! Schiele nicht nach aussen ! (Dies würde auch dem heiligen Geist des Tao widersprechen, nach dem du künftig leben und sinnen sollst : denn Du wirst der Chinese Europas werden)... Wichtiger als alle politischen und sozialen Revolutionen ist die Revolution des Herzens. Erstere weisen auf Wege. Diese zum Ziel. Vielleicht, dass Du, Deutscher, dennoch als endgültiger Sieger hervorgehst : wenn Du zur letzten Einsicht kommst. Der Herzhaftere wird der endliche Sieger sein. Das zarte Herz überwindet die härteste Herrschaft.
4 1919
Stanley Kuhl Hornbeck ist Berater für Ostasien an der Friedenskonferenz in Paris.
5 1919
John Rabe muss China verlassen.
6 1919
Wei Zhuomin erhält den M.A. der Harvard University.
7 1919
Zong Baihua hält in der Gesellschaft Shao Nian Zhongguo Xue Hui eine Rede über Immanuel Kant : Lüe lun Kangde wei xin zhu yi zhe xue da yi.
8 1919-1922
Spengler, Oswald. Der Untergang des Abendlandes [ID D17250].
Spengler schreibt : Jede Kultur steht in einer tiefsymbolischen und beinahe mystischen Beziehung zum Ausgedehnten, zum Raume, in dem, durch den sie sich verwirklichen will. Ist das Ziel erreicht und die Idee, die ganze Fülle innerer Möglichkeiten vollendet und nach aussen hin verwirklicht, so erstarrt die Kultur plötzlich, sie stirbt ab, ihr Blut gerinnt, ihre Kräfte brechen – sie wird zur Zivilisation. Das ist es, was wir bei den Worten Ägyptizismus, Byzantinismus, Mandarinentum fühlen und verstehen. So kann sie, ein verwitterter Baumriese im Urwald, noch Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch die morschen Äste emporstrecken. Wir sehen es an China.

Andreas Pigulla : Die radikal umgewertete Weltsicht Spenglers bietet für die Erfassung Chinas Chancen und Gefahren. Für die Behandlung der chinesischen Geschichte fallen so die zwei wichtigsten 'efizite' ihres Verlaufs fort : Es sollte nun bedeutungslos sein, dass China, nach europäischer Wahrnehmung, wenig Beziehungen zur Aussenwelt gehabt hat und als dominanter Staat nicht zu inneren Veränderungen gezwungen war. Ausserdem kann der angeblich zyklische Verlauf geschichtlicher Prozesse in einem Modell, das Geschichte selbst zyklisch versteht, nicht zur Ausgrenzung führen. Tatsächlich ist die chinesische Kultur hier so wertvoll wie jede andere und bildet einen von acht Kulturkreisen der Weltgeschichte. Spengler funktionalisiert China, um die Gleichartigkeit von Entwicklungsverläufen in der Weltgeschichte durch Analogien zwischen westlichen und fremdkulturellen Phänomenen zu illustrieren. Die chinesische Religion hat eine 'gothische' Zeit. Die Zhanguo-Periode (481-221 v. Chr.) ist bei ihm der 'Übergang vom Napoleonismus zum Cäsarismus'. China bekommt eine Sonderrolle des übriggebliebenen Reiches aus der Urzeit… ist aber für Spengler schon seit 2000 Jahren eine 'tote' Kultur.
9 1919
Tian, Han. Shuo Nicai de 'Bei ju zhi fa sheng' [ID D18072].
Tian Han schreibt : Obgleich Nietzsche in Anlehnung an Schopenhauer die Welt als Willenswelt konzipiert, ist der pessimistische Sinn Schopenhauers bei Nietzsche nicht zu sehen. Schopenhauer tritt für den Verzicht auf den Willen des Menschen und auf alle Ideen ein. Nietzsche dagegen bejaht positiv den Willen und akzeptiert die Daseins-Gedanken. Er behauptet, dass der Mensch auf jeden Fall kräftig und unnachgiebig weiterleben solle. Je entsetzlicher das irdische Dasein wird, einen desto stärkeren Willen soll der Mensch haben. Die Schönheit und die Kraft (das Höhere des Geistigen) des Einzelnen wird erst zur Entfaltung kommen, wenn er gegen die 'Leiden des Lebens' kämpft. Dies ist das Leben als das Entsetzliche ! Das entsetzliche Leben stellt in der Tat Quellen des Schönen und des Höheren, als Stimulans zur Entwicklung des Daseinswertes dar. Schopenhauer war der Ansicht, dass man infolge des aus Leiden bestehenden Lebens die Flucht ergreifen solle, wohingegen der Wert des Lebens für Nietzsche gerade im Leiden liegt. Die beiden Philosophen gehen von der übereinstimmenden Anerkennung des universalen Willens aus, gehen aber in zwei entgegengesetzten Richtungen weiter.

Yu Longfa : Tian Han begegnet neuen westlichen Ideen, die ihm eine neue Perspektive in Hinblick auf Ästhetizismus und Individualismus eröffnen. Er hat aufgrund der Untersuchung der griechischen Tragödie dem Leben des Menschen eine ästhetische Bedeutung gegeben.

He Lin : Tian Han sagt, Nietzsche habe in seiner Frühzeit enthusiatisch Richard Wagner verehrt, sei aber bald darauf in Opposition gegen ihn geraten, u.a. wegen Parsifal. Denn Nietzsche meinte, dass Parsifal eine zu starke religiöse Färbung trage und ein Rauschmittel für das Volk sei. Allerdings seien seine allgemeinen Ansichten jenem Gefühl, das Richard Wagner in seinem Ring der Nibelungen zum Ausdruck brachte, noch sehr ähnlich. In Wirklichkeit trüge Nietzsches Übermensch sehr verwandte Züge mit Siegfried – die beiden unterschieden sich im Grunde nur darin voneinander, dass ersterer Griechisch spreche. Tian Han meinte zum tragischen Geist in Nietzsches Die Geburt der Tragödie : "Je mühsamer das Menschenleben, desto notwendiger brauchen wir den Willen zur Stärkung des Landes".
10 1919
He, Lin. Die Verbreitung der Philosophie Nietzsches in China.
Friedrich Nietzsche übte um die Zeit der 4.-Mai-Bewegung einen bedeutenden Einfluss auf die chinesische Intelligenz aus. Dieser Einfluss kam zwar zunächst durch die äussere Tatsache zustande, dass Nietzsches Denken in Asien, vor allem in Japan, weit verbreitet war, wurde aber auch durch innere Ursachen, die die entscheidenden waren begünstigt : Erstens stand Nietzsches Ansatz, alle Götzen zu zerschlagen und alle Werte umzuwerten, in Einklang mit Chinas Forderungen der damaligen Zeit, entschieden gegen Imperialismus und Feudalismus zu kämpfen. Zweitens entlarvte Nietzsche mit der Evokation des Übermenschen Dekadenz und Verderbtheit, die auf dem kapitalistischen Mammonismus beruhten, sowie die Geistes- und Glaubenskrise, an der die ökonomisch entwickelte kapitalistische Gesellschaft litt. Das entsprach den Forderungen Scharfblickender in China, gegen den Imperialismus zu kämpfen und das Übel des Kapitalismus in China zu vermeiden. Drittens vertrat Nietzsche eine spartanische Disziplin. Um eines grossen Zieles willen müsse man in der Lage sein, andern Mühsal aufzuzwingen und sie auch selber zu ertragen. Seine besondere Hervorrhebung der Willenskraft wurde, abgesehen von ihrer Zielsetzung, tatsächlich zu einer wirksamen Antriebskraft für die Umgestaltung der dekadenten, verlogenen und pedantischen Athmosphäre der damaligen halbkolonialen und halbfeudalen chinesischen Gesellschaft. Es war daher keineswegs Zufall, dass sich Nietzsches Einfluss in China zu jener Zeit weit verbreitete. Dieser Einfluss spielte, historisch gesehen, eine vorwiegend positive Rolle. Nach dem Ausbruch der Ersten Weltkrieges wurden Nietzsches Lehren zwar scharf kritisiert, und zweifellos enthielten sie Aspekte wie den Willen zur Macht und prophezeiten die Ankunft des Übermenschen, der die Rassen regiert und Herr der Erde ist. Die damals in Deutschland herrschende Klasse begrüsste derartige Thesen und machte sie zur theoretischen Grundlage für ihren Krieg. Aber Nietzsches Denken umfasste zahlreiche weitere Ansätze und erntete auch andere Früchte. So wurde er um die Zeit der 4.-Mai-Bewegung zu einem leuchtenden Vorbild der chinesischen Ikonoklasten. Offensichtlich kann eine in der Vergangenheit entstandene Lehre später theoretisch unterschiedlich interpretiert und auf verschiedene Weise in die Tat umgesetzt werden.
11 1919
Cai, Yuanpei. Da zhan yu zhe xue [ID D18295].
Raoul David Findeisen : Cai sieht eine Widersprüchlichkeit darin, dass Friedrich Nietzsche Atheist gewesen sei, aber die Deutschen unter dem Motto ‚Gott mit uns’ in den Krieg gezogen sind, doch "hat die deutsche Regierung im Krieg kaum einen Schritt unternommen, der nicht mit Nietzsches Lehren übereinstimmte". Cai nennt Borgia und Bismarck als Beispiele für Übermenschen und sieht im Leitspruch 'Deutschland über alles' einen Ausdruck des Prinzips vom Übermenschen.
12 1919
Manifest in Xin qing nian (1919).
Darin steht : Wir glauben, dass Politik, Ethik, Wissenschaft, Religion und Erziehung auf praktische Ziele ausgerichtet sein müssen, um Fortschritte im gegenwärtigen und zukünftigen gesellschaftlichen Leben erreichen zu können. Wir müssen die nutzlosen und beziehungslosen Elemente der traditionellen Literatur und Ethik aufgeben, um solche neuen Elemente schaffen zu können, die für den Fortschritt der neuen Zeit und der neuen Gesellschaft erforderlich sind. Wir glauben, dass für den Fortschritt unserer gegenwärtigen Gesellschaft Naturwissenschaften und pragmatische Philosophie Vorbedingungen sein sollten und dass Aberglaube und Spekulation abgeschafft werden müssen.

Hua Kang : Die Intellektuellen traten dafür ein, von den fortschrittlichen ausländischen Kulturen zu lernen, um eine neue eigene nationalchinesische Kultur zu schaffen.

Yu Longfa : Die Erörterung der europäischen Kultur und die Überwindung der Tradition im Zuge einer Neubewertung der eigenen Vergangenheit ist aufs Engste mit Friedrich Nietzsche verknüpft.
13 1919
Guo, Moruo. Fei tu song [ID D18296].
Guo Moruo schreibt :
Kopernikus, du böser Geist, Künder des Sonnensystems, der du dich von den Dogmen der Überlieferung befreit hast !
Darwin, du Schweinehund, Künder der gemeinsamen Abkunft von Mensch und Affe, der du die Lehren der Vorväter Lügen gestraft hast !
Nietzsche, du Wahnsinniger, Künder der Philosophie des Übermenschen, der du Götzenbilder zermalmt und Heilige vernichtet hast !
Wo und wann immer ihr gewirkt habt, ihr alle seid Banditen und philosophische Revolutionäre ! Lebet hoch ! lebet hoch ! lebet Hoch !

Raoul David Findeisen : Mit dem Titel des Gedichtes spielt Guo Moruo darauf an, dass die Aktivisten der 4. Mai-Bewegung von der japanischen Presse als ‚Studentenbanditen’ tituliert worden sind.
14 1919
Fu, Sinian. Sui gan lu [ID D18297].
Fu schreibt : Wir müssen mit Lampions auf den Strassen nach Übermenschen suchen und mit Knüppeln Dämonen vertreiben.

Raoul David Findeisen : Dem Konfuzianismus, der zu einem Götzenbild geworden sei, hält Fu Sinian Nietzsches Forderung entgegen, die ‚festgesetzten Werte neu zu bestimmen’ und lobt Nietzsche als radikalen Ikonoklasten. Auch China habe in Laozi einen solchen besessen, der jedoch selber zu einer Ikone geworden sei.
15 1919
[Nietzsche, Friedrich]. Xin ou xiang, Shi chang zhi ying [ID D18298].
Mao Dun schreibt im Vorwort : Nietzsche war ein grosser Schriftsteller und führte eine scharfe Feder. In seinen Werken sind oft erschreckende Worte zu finden. Seine Arbeit Also sprach Zarathustra gilt als literarische Kostbarkeit.

Yu Longfa : Trotz der unlänglichen Übersetzung gilt dieser Versuch als der erste, Zarathustra ins Chinesische zu übertragen um das Buch dem chinesischen Publikum zugänglich zu machen.
16 1919
Chen, Duxiu. Gong li he zai [ID D18304].
Shao Lixin : Chen Duxiu's failure to recognize his own identity and his tendency to use Nietzsche or other Western thinkers as symbols to express his own Chinese ideas came partly from a social Darwinist prejudice. A nation that was backward economically and militarily must have inferior ideas and moral traditions, and vice versa. Out of the same prejudice he viewed the First World War as testing ground for what he thought as the two Western moral principles. And he believed that the post-war world would be dominated by the moral principle of the winning side. Since he believed that France and the United States stood for democracy, justice and peace, he looked forward the the Allied victory with great expectation.
17 1919
Zhu, Zhixin. Guo jia zhu yi zhi fa sheng ji qi bian tai [ID D15593].
Joachim Kurtz : Unter dem Eindruck der für China unglücklich verlaufenen Versailler Verhandlungen propagiert Zhu Zhixin einer von Fichte angehauchter Form des antiimperialistischen 'Internationalismus' als Mittel zur Überwindung der Ohnmacht des Landes gegen die westlichen Mächte.
18 1919
Karl A. Wittfogel hält Vorträge über China in Berlin.
19 1919
Li, Dazhao. Wo de Makesi zhu yi guan [ID D19714].
Quellen : Kawakami, Hajime. Marukusu no shakaishugi no rironteki taikei (1919). Fukuda, Tokuzô. Zoku keizaigaku kôgi (1913).
Li Dazhao schreibt : Seit der russischen Revolution breitete sich der Marxismus in der ganzen Welt aus. Soziale Revolutionen brachen nacheinander in Deutschland, Österreich und Ungarn aus. Sie alle hatten den Marxismus als Leitidee.

Maurice Meisner : Li Dazhao looked at Marxist doctrine with considerably less enthusiasm than he had displayed in greeting the Bolshevik revolution, he was convinced of the necessity of propagating 'the orthodox teaching' accompanying the great transformation of the world. His article ist a summary of some of the main concepts of orthodox Marxist theory, which he drew from Japanese translations of Marx. it was the most systematic and serious treatment of Marxism to be published in Chinese. In general Li accept the elements of Marxism that emphasize the importance of political activity and the consciousness of men, that ist, those elements that promise a relatively rapid revolutionary transformation. He was critical of the deterministic aspects of Marxist doctrine, which seemed to him to encourage passivity or imply the necessity for a long period of economic development as a prerequisite for revolutionary political change. Li was immediately receptive to the theory of class struggle, which, if separated from the economic precondistion underlying it, places heavy emphasis upon the role of conscious political activity in the making of history. He viewed the phenomenon of class struggle in relatively simple terms ; it was the eternal conflict between the propertied and the unpropertied, between the oppressors and the exploited. The theory of class struggle, more-over, was an inevitable manifestation of the universal drive toward progressive self-expansion in both biological and social phenomena. Li therefore implied that Marx's concept of class struggle was not really alien to the Chinese intellectual milieu since it was supported by evolutionary theory in general and the writings of Spencer in particular. However Li was aware of certain ambiguities in Marx's treatment of class struggle. He noted that whereas Marx denied that class activity determines the movement of economic forces, Marx also declared that all history has been the history of class struggle and affirmed that the activities of social classes can influence the whole direction of the social process.
20 1919
Li, Dazhao. Zai lun wen ti yu zhu yi [ID D19716].
Yin Xuyi : Li Dazhao widerlegt Hu Shi indem er erstens feststellt, der Marxsche Sozialismus sei ein idealer und durchführbarer ‚Ismus’ und das Volk könne 'ihn anwenden, um die Bande räuberischer bürokratischer Schmarotzer zu vertreiben'. Bei der Lösung eines gesellschaftlichen Problems müsse die Mahrheit in der Gesellschaft 'ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Ismus' als Unterscheidungskriterium zwischen dem Rechten und Unrechten und als Mittel zur Lösung der Probleme haben. Deshalb müssten die Aktivisten der Gesellschaft einerseits aktuelle Probleme erforschen, andererseits den richtigen Ismus verbreiten. Zweitens weist Li Dazhao nach den Grundsätzen des historischen Materialismus darauf hin, dass die Veränderung der ökonomischen Basis die Grundlage aller gesellschaftlichen Wandlungen ist. Die konkreten gesellschaftlichen Probleme können erst dann wirkungsvoll gelöst werden, wenn die alte ökonomische Basis zerstört und eine neue Gesellschaftsordnung errichtet worden ist. Um dies zu erreichen, musste man eine Revolution machen. Man musste den Marxismus 'in der praktischen Bewegung zur Vereinigung der Arbeiter anwenden'.

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