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Chronology Entries

# Year Text
1 1959-1972
Maurice Freedman ist Mitglied des editorial board von Race : journal of the Institute of Race Relations.
2 1959-1975
Maurice Freedman ist managing editor, ab 1970 editor des Jewish journal of sociology.
3 1959
Yip Wai-lim erhält den B.A. in English der National Taiwan University in Taipei.
4 1959-1961
Yip Wai-lim studiert Englisch an der National Normal University in Taipei, Taiwan.
5 1959
Gedenkfeier zum 200. Geburtstag von Friedrich von Schiller. Erste Aufführung von Kabale und Liebe in der Übersetzung von Liao Fushu [ID D11663]. Zwei Szenen davon erscheinen im Fernsehen in Beijing. Tian Han hält die Festrede [ID D11674]. Lao She und Liao Fushu nehmen daran teil.
Zhang Yushu schreibt : Der Grund für den Erfolg dieser Aufführung liegt wohl darin, dass sich die Zuschauer, die vor ein paar Jahren noch das gleiche Schicksal von Ferdinand und Luise teilten und von dem Feudalismus wie von einem gigantischen Berg unterdrückt wurden, durch den Inhalt dieses bürgerlichen Trauerspiels sehr angesprochen fühlten. Sie vergossen Tränen der Sympathie für dieses unglückliche Liebespaar, das um persönliches Glück einen verzweifelten Kampf gegen die Tyrannei führte und schliesslich einer Intrige des übermächtigen Feindes erliegen musste. Sowohl das Motiv als auch die Handlung lagen dem chinesischen Publikum so nah, dass es kaum auf den Gedanken hätte kommen können, es handle sich um eine traurige Geschichte, die sich nicht in China, auch nicht in der Gegenwart abspielt, sondern in einem Land, das über zehntausend Kilometer weit von China entfernt im Abendland liegt, und in einer Zeit, die fas anderhalb Jahrhunderte zurücklag.
6 1959
Yang Zhouhan schreibt in Ouzhou wen xu shi [ID D11747] : Heinrich Heine hat eingesehen, dass die Zukunft den Kommunisten gehören wird. Aber weil er in einer Übergangszeit lebte, wo die bürgerliche demokratische Revolution in Europa überholt und die Bedingung für die proletarische Revolution noch nicht reif war, konnte der den zukünftigen Kommunismus noch nicht richtig erkennen… Er betrachtet den Kommunismus als die normale Gleichmacherei und fürchtet, dass die siegenden Proletarier in der kommunistischen Gesellschaft bloss einseitig das Schaffen des materiellen Reichtums betonen und die Kultur und Kunst der Menschheit mit ‚rohen Fäusten’ zerstören würden. Diese vulgäre Auffassung der Bourgeolisie veranlasst Heines Angst vor dem Kommunismus.
Erste Erwähnung von Heines "Gleichmacherei".
7 1959
Hesse, Hermann. Ein paar indische Miniaturen. In : Sonntagsbeilage der National Zeitung Basel ; Nr. 220, 17.5.1959.
Hesse schreibt : Der Weg zwischen China und Indien ist für mich nicht weit.
Adrian Hsia : Der Buddhismus stellt eine Brücke zwischen China und Indien. Ein Teil der chinesischen Prosadichtung ist buddhistisch beeinflusst, meisterns integriert sie taoistische, buddhistische und konfuzianische Elemente. In Hesses Werken bilden abendländische, indische und chinesische Züge ein einheitliches Ganzes.
8 1959
Hesse, Hermann. Chinesische Legende. (St. Gallen : Privatdruck, 1959).
Adrian Hsia : Hesses Hinwendung zum Konfuzianismus bedeutet in Chinesische Legende keine Absage an die taoistische Weltanschauung. Meng Hsiä [Name von Hesse erfunden] ist Hesse selbst im chinesischen Gewand. Die Sprüche Meng Hsiäs sind seine, alles Emotionale bewusst umgehende Antwort auf die erwähnten Angriffe. Um Missverständnisse persönlicher Art zu vermeiden, hat er seine Antwort einem Meng Hsiä in den Mund gelegt.
9 1959
Feng, Zhi. Deguo wen xue jian shi [ID D11746].
Diese Literaturgeschichte ist bis anfangs der 1980er Jahre die einzige Geschichte der deutschen Literatur in China. Der Literatur der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz wird keine gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. In der Gegenwartsliteratur überwiegt die Literatur der DDR. Anerkannt wird die Aufklärung, die Klassik und der kritische Realismus, Kritik wird geübt an der Romantik und die Moderne wird abgelehnt.
Hermann Hesse, Thomas Mann, Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger werden als bürgerlich-fortschrittliche Schrifsteller charakterisiert. Peter Camenzind, Unterm Rad, Demina, Der Steppenwolf und Das Glasperlenspiel werden erwähnt. Die Philosophie von Friedrich Nietzsche wird als imperialistische Philosophie dargestellt. Von Heinrich von Kleist wird nur Der zerbrochene Krug, Das Erdbeben in Chili und Michael Kohlhaas von György Lukács ins Chinesische übersetzt, da sie den Sieg des Realismus beweisen sollten. Novalis wird als Hauptrepräsentant der reaktionären deutschen Romantik bezeichnet. Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, E.T.A. Hoffmann und Stefan Zweig werden nicht erwähnt.

Feng Zhi schreibt : Nach Nietzsche (der Hauptverteidiger der Bourgeoisie in der Zeit des Imperialismus) hätte die Bourgeoisie noch brutaler das Volk unterdrücken und noch entschiedener den Sozialismus ersticken sollen. Was Literatur und Kunst betrifft, so befürwortet er ‘Kunst um der Kunst willen'. Kunst über alles', so daß die Schriftsteller der Dekadenz, die vor der Realität flüchten, nun mit gutem Gewissen ihren Weg fortsetzen können, weiterhin von der Realität abzuweichen, wobei sie irgendwie noch als Erneuerer und Reformer der Literatur und Kunst' zu sein wähnen... Geleitet von solcher Ideologie entsteht dann die Literatur des deutschen Symbolismus, dessen Hauptrepräsentanten Stefan George und Rainer Maria Rilke sind.
Die drei Wiener Meister, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig, an denen man kaum vorbeigehen konnte, wenn man die Literatur der Jahrhundertwende und die der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts behandeln will, werden unerklärlicherweise und ungerechterweise in diesem Buch mit keinem einzigen Wort erwähnt, als hätten sie in der Literaturgeschichte überhaupt nicht existiert...

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die USA mit ihrer fortschreitenden Faschisierung der Kopf des imperialistischen Lagers, der Todfeind aller Völker der Welt geworden. Thomas Mann ertrug das politische Klima der McCarthy-Jahre nicht… und könne nicht in den USA weiter leben… Thomas Mann stammt aus der Bourgeoisie, die er aber unerbittlich aufgezeigt und kritisiert hat. In seinen späten Jahren kommt er zu der Einsicht, dass die bourgeoise Gesellschaft dem Untergang geweiht sei, dass eine Gesellschaft ohne Ausbeutung bestimmt kommen werde. 1946 schreibt er einen Aufsatz mit dem Titel Der Antibolschwismus ist die Grundtorheit unserer Epoche. In diesem Aufsatz bringt er seine Zuversicht zum Ausdruck, dass der Kommunismus unaufhaltsam siegen werde. [Siehe 1955 Huang Xianjun. Tuomasi Man]. Hier scheint Thomas Mann ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. In Wirklichkeit ist er dies natürlich nicht, wie er selbst schreibt…
Dank der Buddenbrooks hat Thomas Mann seinen ruhmvollen Ruf erlangt. Dieser Roman ist einer der grössten Erfolge des deutschen kritischen Realismus. Obgleich dieser Roman eine Geschichte im Zeitraum der 1830er bis 1870er Jahre des 19. Jahrhunderts schildert, spiegelt er die Probleme der 1890er Jahre wider, in denen der Autor lebte… Thomas Buddenbrook und Hermann Hagenström repräsentieren zwei Typen der Bourgeoisie und zwei Perioden der kapitalistischen Entwicklung. Thomas Buddenbrooks Scheitern und Hagenströms Erfolg sind Anzeichen dafür, dass der Kapitalismus bereits seine letzte Entwicklungsphase angetreten hat, und dass die imperialistische Ära schon begonnen hat.

Er schreibt über Heinrich Heine, dass Deutschland : ein Wintermärchen unter dem Einfluss von Marx geschaffen worden sei. In diesem Werk habe er ein kommunistisches Ideal bekannt gegeben. Er weist darauf hin, dass Heine wegen seiner persönlichen Beschränktheit den wissenschaftlichen Sozialismus nicht wirklich erkannt und den Kommunismus mehr oder weniger missverstanden habe. Gleichzeitig behauptet er, dass Heine überzeugt sei, dass die zukünftige Welt dem Kommunismus gehöre.

Er schreibt über Friedrich Nietzsche : Er [Nietzsche] kritisiert auch die damaligen Verhältnisse und die bürgerliche Literatur und Kunst, aber nicht weil die bürgerliche Gesellschaft zu dunkel und zu faul, und die bürgerliche Literatur und Kunst zu sehr von der Wirklichkeit abgewichen und zu verkommen ist, sondern weil die Bourgeoisie noch nicht reaktionär genug und die bürgerliche Literatur und Kunst noch nicht dekadent genug ist. Nach Nietzsche hätte die Bourgeoisie noch brutaler das Volk unterdrücken und noch entschiedener den Sozialismus ersticken sollen. Was Literatur und Kunst betrifft, so befürwortet er "Kunst um der Kunst willen", "Kunst über alles", so dass die Schriftsteller der Dekadenz, die vor der Realität flüchten, nun mit gutem Gewissen ihren Weg fortsetzen können, weiterhin von der Realität abzuweichen, wobei sie irgendwie noch als "Erneuerer und Reformer der Literatur und Kunst" zu sein wähnen...

Er schreibt über Heinrich von Kleist : Sein politischer Standpunkt war konservativ, seine Ideologie reaktionär ; selbst der Reform, zu der die preussische Regierung unter der damaligen Situation gezwungen worden war, bot er hatnäckig Trotz. Das alles bewirkt, dass Kleist keinen Ausweg wusste und 1811 vor Verzweiflung Selbstmord beging. Einige seiner Dramen waren Schicksalstragödien, in denen die Ohnmacht der Menschen gegenüber dem Schicksal dargestellt wird. Und beeinflusst von der Erkenntnistheorie der Kantschen Philosophie, bildete sich bei Kleist allmählich eine dekadente und pessimistische Weltanschuung heraus. Er setzte die Vernunft herab und hielt die Instinkte und sexuellen Triebe für das Entscheidende… In der Zeit von 1808 bis 1910 verstärkte sich Kleists Neigung zum Nationalismus ; seine in dieser Zeit entstandenen Werke propagierten den Nationalismus, enthielten so im Ideengehalt und in der Kunst nichts Positives.

Gu Zhengxiang : Friedrich Hölderlin wird zum ersten Mal als grosser deutscher Dichter beschrieben und sein Leben und Werk werden ausführlich geschildert. Es wird darauf hingewiesen, dass er weder eindeutig der Klassik noch der Romantik zugeschrieben werden kann, da beide Strömungen in seinem Werk enthalten sind. Sein Roman Hyperion wird ausführlich beschrieben, aber es gibt nur kurze Beschreibungen über seine Lyrik.
10 1959-1961
Alexander Eckstein ist Xerox Professor of International Economics an der University of Rochester, N.Y.
11 1959-1966
Alexander Eckstein ist Mitglied des Joint Committee on Contemporary China, International Dissertation Field Research Fellowships, Social Science Research Council.
12 1959
Jerome A. Cohen ist Berater des U.S. Senate Committee on Foreign Relations.
13 1959
Jerome A. Cohen wird Professor of Law an der University of California School of Law, Berkeley.
14 1959-1968
Roderick MacFarquhar ist Gründer und Mitglied des Editorial Board von The China quarterly.
15 1959
Zhang Yushu wird zur politischen Umerziehung in ein Bergbauerndorf geschickt. Fremdsprachen zu lesen ist verboten.
16 1959
Kenneth R. Walker wird Research Fellow in Economics an der School of Oriental and African Studies, University of London.
17 1959-1964
Benjamin E. Wallacker ist Dozent an der University of Kansas, Lawrence.
18 1959
Tian Han gibt die Anregung zur Einführung des Theaters von Bertolt Brecht in China. Die erste Inszenierung und Aufführung des Shanghai People's Art Theatre ist Mutter Courage und ihre Kinder in der Übersetzung von Sun Fengcheng [ID D13044] und unter der Leitung von Huang Zuolin. Aber dieses Drama, das sich mit der Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges beschäftigt, erwies sich als Misserfolg.

Huang Zuolin schreibt : "Mutter Courage war die grösste Niederlage unter meinen 88 Inszenierungen. Ich schreibe das der Verfremdung zu, die das Publikum so entfremdete, dass es das Theater verliess."

Ding Na : Der antikriegerische Inhalt passt nicht in die damalige Situation Chinas. Wenn man in China über Krieg diskutierte, musste zuerst eine Unterscheidung zwischen Aggressionskrieg und Verteidigungskrieg getroffen werden. So kann man sich z.B. ohne den Befreiungskrieg die Gründung der VR China gar nicht vorstellen. Ausserdam wussten die chinesischen Zuschauer wenig vom historischen Hintergrund des 30jährigen Krieges. Ebenso fremd waren ihnen die konkreten historischen Bedingungen, unter welchen Brecht das Stück geschrieben hatte. Selbst die meisten Schasupieler und Dramatiker hatten damals keine Ahnung von der Theatertheorie Brechts. Dan Ni, die Darstellerin der Mutter Courage gab zu, dass sie und andere oft den Inhalt und Sinn des Textes nicht verstanden hätten.

Sun Fencheng : Diese Aufführung hat wider allen Erwarten nicht den erhofften Erfolg erziehlt, nicht, weil die Schauspieler gewöhnliche Kleider der armen Leute trugen, während das chinesische Publikum farbenprächtiges und exotisches Kostüm von der Aufführung erwartete. Grund war vielmehr die Thematik, die dem chinesischen Publikum fremd erschien. Es könnte noch ein anderer Grund für den Misserfolg angegeben werden : Die breiten Massen der Zuschauer hatten noch zu wenig Verständnis für Brecht, dessen Dramentheorie und dessen Theaterstücke sie befremdeten. Trotzdem war die Aufführung nicht vergebliche Mühe. Sie hatte die Alleinherrschaft des Systems von Stanislawski über das chinesische Theater gebrochen und die Neugierde und das Interesse erweckt, so dass sich viele Fachleute seitdem intensiv damit beschäftigen.
19 1959-1960
Antony Tatlow unterrichtet Deutsch an der School of Commerce des Trinity College, University of Dublin.
20 1959
Blum, Klara. Das Lied von Hongkong [ID D13294].
Dora Wentscher : Die Ausbeuter sind bei Klara Blum stets fett und sadistisch, ihre Knechte herrisch und frech, die wackeren Unterdrückten dagegen sind opferbereit, uneigennützig und lernbegierig. Die Klischees des Klassenkampfs sind leicht zu kritisieren. Andererseits sind auch die Kritiker der Klara Blum nicht frei von Autostereotypen, denn von ihnen wird ein Klischee, das die eigene Gruppe angeht, eher wahrgenommen und getadelt als eines, das die fremde Gruppe betrifft : Eine deutsche Kritikerin findet die Darstellung von Europäern „unnötig karikaturenhaft“, während ein chinesischer Literaturwissenschaftler bemängelt, dass das Chinabild verfälscht sei und die chinesischen Charaktere wie Karikaturen wirken.

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